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Curriculum eines Weiterbildungskurses
Curriculum / Lehrplan
des 11. Weiterbildungskurses
„Peer Counseling als Schlüssel zur Stärkung der Selbsthilfe
behinderter Menschen“
von März 2010 bis November 2010
In Deutschland gibt es seit mehr als 30 Jahren eine
emanzipatorische Behindertenbewegung. Mit Gründung des
Bundesverbandes „Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben”
in Deutschland e.V. – ISL“ im Oktober 1990 wurde eine Basis
für die Selbstvertretung behinderter Menschen und ihrer
Angehörigen geschaffen, die sich der internationalen Independent
– Living – Bewegung verpflichtet fühlt.
Seit Mitte der 80er Jahre gründeten sich zahlreiche Zentren
für selbstbestimmtes Leben (ZsL), die ratsuchenden behinderten
Menschen im Sinne des Peer Counseling Beratung und Begleitung anboten.
Diese Beratung war und ist bis heute ein unabhängiges,
ganzheitliches, ermächtigendes Hilfsangebot für behinderte
Ratsuchende, um ein Leben mit mehr Selbstbestimmung, Eigenverantwortung
und Würde zu ermöglichen.
Die Erfahrungen aus den Zentren für selbstbestimmtes Leben und aus
der Selbsthilfearbeit behinderter Menschen haben gezeigt, dass es einen
Weiterbildungsbedarf für ehrenamtlich und hauptamtlich tätige
behinderte Beraterinnen und Berater gibt, der sich durch eine
qualifizierte Weiterbildung schließen lässt. Das Curriculum
/ der Lehrplan der Weiterbildung will folglich Kenntnisse von Theorien
und Methoden verschiedener Beratungskonzepte / Beratungsformen
vermitteln und Selbsterfahrung vertiefen.
1. Ziele der Weiterbildung
Die Weiterbildung soll dazu befähigen, Kenntnisse über die
eigene Lebensgeschichte als behinderter Mensch, eigene
Verarbeitungsstrategien und Beziehungsmuster zu reflektieren,
Selbsterfahrungen weiter zu geben und in die Beratung ein zu bringen.
Die Weiterbildung soll Beratungskompetenzen und Beratungsmethoden vermitteln und einüben.
Die Beratung und Begleitung behinderter Menschen im Sinne des Peer
Counseling muss sich dabei inhaltlich an den Bedürfnissen der /
des Ratsuchenden orientieren und nicht primär / zuerst an eigenen
Vorstellungen der Beraterinnen und Berater.
2. Inhalte der Weiterbildung
Die Weiterbildung besteht aus sechs Modulen:
1. Geschichte und Idee von Peer Counseling, Selbstbestimmt -Leben - Bewegung und persönliche Geschichte
2. Selbst erfahren – Selbst erkennen –
Strategien für den Umgang mit der eigenen Behinderung bzw. mit der
chronischen Erkrankung
3. Beratungsmethoden A: Kommunikationsregeln / -modelle und klientzentrierte Gesprächsführung
4. Beratungsmethoden B: Systemische und andere Konfliktlösungsstrategien in der Beratung
5. Beratungsmethoden C: Persönliche Zukunftsplanung
6. Persönliche Assistenz. Strukturen und Vernetzung der Beratung
Die Module umfassen insgesamt 144 Unterrichtseinheiten (UE). Sie finden
jeweils ab Donnerstagnachmittag bis Sonntagmittag mit 24 UE statt.
Weiterbildungsbegleitend sind 10 Einzelberatungsstunden á 45
Minuten bei Mitgliedern des Trainerinnen- und Trainerteams
verpflichtend. Dabei dürfen Ausbilderinnen und Ausbilder und
Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht in einem persönlichen
und/oder dienstlichen Abhängigkeitsverhältnis stehen.
Während des Weiterbildungszeitraumes (März bis November 2010)
sollen zwei selbst organisierte Gruppenveranstaltungen zum
Erfahrungsaustausch durchgeführt werden. Bindend ist dabei die
einmalige Teilnahme an einem der gemeinsamen Treffen.
Ein weiterer Bestandteil der Weiterbildung ist das Schreiben einer
Hausarbeit, die als Internet-Präsentation (mindestens 6 bis 10 A4
Seiten) veröffentlicht werden soll. Eine andere Form der
Erarbeitung eines Themas ist möglich. Für die Begleitung
dieser Arbeit stehen die jeweiligen Einzelberaterinnen und
Einzelberater des Trainerinnen- und Trainerteams zur Verfügung.
Ein Themenkatalog dazu liegt von Seiten der Trainerinnen und Trainer
vor.
Zusätzlich ist die Erarbeitung eines Rollenspiels, in dem die
Teilnehmerin / der Teilnehmer in der Rolle der Beraterin / des Beraters
handelt, erforderlich. Dieses Rollenspiel wird in den
Weiterbildungsmodulen 3 bis 5 vorgestellt und ausgewertet. Es
können auch Video- und / oder Audioaufzeichnungen von
Beratungsgesprächen ausgewertet werden.
Während des Weiterbildungszeitraumes sind verbindlich folgende zwei Schriften der Selbstbestimmt Leben Bewegung zu lesen:
• van Kan, Peter & Doose, Stefan (1999)
Zukunftsweisend. Peer Counseling und Persönliche
Zukunftsplanung.
• Miles-Paul, Ottmar. (1992) Wir sind nicht mehr
aufzuhalten. Beratung von Behinderten durch Behinderte. Vergleich
zwischen den USA und der Bundesrepublik. AG SPAK München
Darüber hinaus wird empfohlen zu lesen:
Klaus Mücke „Probleme sind Lösungen“ (Eigenverlag)
Links:
www.klaus-muecke.de
www.peer-counseling.org
Texte, Diplomarbeiten und Informationen zu Peer Counseling
www.isl-ev.de
www.forsea.de
3. Teilnahmevoraussetzungen zur Weiterbildung
Die Weiterbildung wendet sich an Menschen mit Behinderungen und / oder
chronischen Erkrankungen. Die Bewerberinnen und Bewerber sollten sich
bereits mit ihrer Behinderung auseinandergesetzt haben und über
ein gewisses Maß an Authentizität und Offenheit
verfügen. Auch sollten sie in der Lage sein, sich mit der eigenen
Lebensgeschichte als Behinderte / Behinderter identifizieren zu
können.
Eine Ausbildung in einem Grundberuf ist nicht erforderlich.
Erforderlich ist jedoch das Interesse an anderen behinderten bzw.
chronisch kranken Menschen, diese zu verstehen und in ihren
Bemühungen um ein selbstbestimmtes Leben zu unterstützen.
Jede Bewerberin / Bewerber muss die Hausarbeit, die
Rollenspielübungen und die 10 Einzelberatungsstunden innerhalb des
Weiterbildungszeitraumes umsetzen.
Die Schweigepflicht bezüglich aller persönlichen
Informationen während der Weiterbildung wird vorausgesetzt. Die
Verletzung der Schweigepflicht kann zum Ausschluss aus der
Weiterbildung führen.
4. Zulassungsverfahren und Kosten der Weiterbildung
Die Bewerbung erfolgt schriftlich. Sie ist an den Verein
fab. e.V.
Herrn Uwe Frevert,
Köllnische Str. 99
34119 Kassel
zu schicken.
Er wird die Unterlagen an die Trainerinnen- und Trainer- Konferenz weiterleiten.
Der Bewerbung sind folgende Unterlagen beizufügen:
➢ Ein formloses Anschreiben, aus dem Motivation und
angestrebte berufliche und / oder persönliche Perspektive
hinsichtlich der Weiterbildung ersichtlich sind.
➢ Ein ausführlicher Lebenslauf, aus dem auch die
Behinderung und damit verbundene lebenspraktische Einschränkungen
hervorgehen.
Die Zulassung erfolgt in der Trainerinnen- und Trainer- Konferenz
anhand der Informationen aus 4. und gilt zunächst für die
gesamte Weiterbildung.
Die Weiterbildung findet in einem barrierefreien Hotel in Berlin statt.
Der Weiterbildungsbetrag pro Person beträgt über den gesamten
Weiterbildungszeitraum 1.200,00 €. Unterkunft, Verpflegung und die
Kosten der Weiterbildung sind in diesem Betrag enthalten. Fahrtkosten
können anteilig erstattet werden. Der Weiterbildungsbeitrag kann
in 3 Raten (vor Beginn des 1., 3. und 5. Weiterbildungsblockes) in
Höhe von jeweils 400,00 € entrichtet werden.
Zusätzlich sind pro Einzelberatungsstunde (á 45 min.) 25,00
€ direkt mit der entsprechen Trainerin / dem entsprechenden
Trainer abzurechnen.
5. Abschluss der Weiterbildung
Nach erfolgreichem Abschluss der Weiterbildung erhält die
Teilnehmerin / der Teilnehmer ein Zertifikat, welches berechtigt, die
Zusatzbezeichnung „Peer Counselor/in ISL“ zu führen.
Ein erfolgreicher Abschluss liegt dann vor, wenn
➢ die Teilnehmerin / der Teilnehmer an mindestens 90%
der Unterrichtseinheiten UE (130 Stunden von 144 gesamt) teil genommen
hat;
➢ sie / er 10 Einzelberatungsstunden innerhalb des Weiterbildungszeitraumes nachgewiesen hat;
➢ sie / er die Hausarbeit darstellen und das Rollenspiel verwirklichen konnte.
Wenn aus wichtigem Grund, der nachzuweisen ist (z.B. Krankheit), mehr
als 10% der UE versäumt werden, so können maximal
10 UE mit einer Trainerin oder einem Trainer auf eigene Kosten
nachgearbeitet werden. Über die Vergabe des Zertifikats
entscheidet die Trainerinnen- und Trainer- Konferenz.
Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die kein Abschlusszertifikat bekommen,
erhalten eine Teilnahmebestätigung mit der Aufstellung ihrer /
seiner absolvierten / gelernten Weiterbildungsinhalte.
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